Konzepte der Religionsphilosophie

Die Unterscheidung der wichtigsten religionsphilosophischen Konzepte folgt in der Regel den beiden Begriffen «Immanenz» (I) und «Transzendenz» (T). Freilich stellt dies lediglich eine Vereinfachung einer viel komplexeren Thematik dar.

Im Folgenden können wir uns dafür auf der einen Seite «Gott» (im Sinne eines übernatürlichen Wesens oder Geistes, einer ordnenden Kraft oder Energie(quelle) oder einer übersinnlichen Entität) und auf der anderen Seite die «Welt» der Menschen (unsere Umgebung, die Natur, das Universum und den Kosmos) vorstellen.

Konzept
(nicht ab- und ausschliessend)
Beschreibung Vertreter
Theismus
(griech. theos = Gott, höchstes Wesen)
Beschreibt den Glauben an einen i.d.R. personifizierten, persönlichen und exklusiven Gott (monotheistisch), der die Welt und damit die Weltgeschichte «erschaffen» hat und sich der Welt offenbart (d.h. in sie lenkend eingreift, sie steuert und deren Normen setzt), z.B. mittels Prophezeiungen, Wunder oder im Sinne der christlichen Dreifaltigkeitslehre (v.a. T, teils I im Sinne einer dualistischen Ordnung von Schöpfer und Schöpfung («entgöttert»), i.d.R. mit göttlich sanktioniertem Moralkodex bis hin zu theokratischen Zügen).

Im Polytheismus weisen demgegenüber mehrere Götter eigene Namen, Gestalten und Funktionen auf. Zudem wird die Schicksalswelt des Menschen mit den Schicksalen der Götter in Verbindung gebracht. Es existiert ein Eingreifen der Götter in die Welt der Menschen im Sinne der I (z.B. trojanischer Krieg, Entführung der Europa durch Zeus).

z.B.

– Judentum, Christentum, Islam (Offenbarungs- oder Abrahamitische Religionen)

– Hinduismus

– henotheistische (=Glaube an einen höchsten Gott unter mehreren untergeordneten Göttern) Entwicklung des ägyptischen (personifizierten) Sonnenkults (Aton = Sonne) zur Verehrung des Pharaos (Echnaton) als Stellvertreter Atons auf Erden

– ebenfalls meist henotheistisch: griechische, römische, germanische und keltische Religionen bzw. Mythologien bzw. Heidentum (Paganismus)

Deismus
(lat. deus = Gott)
Beschreibt den Glauben an einen (persönlichen) Gott, der die Welt «erschaffen» hat, der aber keinen weiteren Einfluss auf die Welt nimmt. Der Lauf der Zeit folgt entsprechend den von Gott bei der Schöpfung geschaffenen Gesetzen (nur T). v.a. in der Aufklärung im Sinne einer Vernunftsreligion (Mensch hat «freier Wille»), so z.B. Leibniz (Gott als «Uhrmacher»), Locke, Voltaire, Jefferson, Paine, Lessings «Nathan der Weise»
Panentheismus
(griech. en = in)
Beschreibt den Glauben an einen unpersönlichen Gott, der nicht nur identisch mit der Welt ist, sondern über diese hinausgeht (I und T, wobei T>I).
Pantheismus
(griech. pan = alles)
Beschreibt den Glauben an einen unpersönlichen Gott, der mit der Welt identisch ist; demnach drückt sich das Göttliche in der Natur aus (I=T im Sinne einer monistischen Ordnung). z.B. Spinoza («Deus sive Natura»), Goethe, Herder, griech. und römische Stoa («Logos» als universelles Vernunftprinzip)
Kosmotheismus Beschreibt den Glauben, dass der Kosmos ohne einen göttlichen Schöpfungsakt bestehen kann und sich in der Folge auch selbst ordnet. Die Welt ist demnach von alleine entstanden oder hat seit jeher bestanden (Einheit), i.d.R. aufgrund einer «ordnenden Kraft» (Karma, Dharma, Dao etc.), der selbst die Welt der Götter unterworfen ist (I=T im Sinne des Monismus, wobei I lediglich eine unter vielen möglichen Erscheinungsformen der T –> Götter können u.a. in der Welt der Menschen anwesend sein).

Tritt oft in Kombination mit einer polytheistischen Götterwelt auf.

z.B. Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus
Pandeismus Beschreibt den Glauben an einen Gott, der die Welt «erschaffen» hat und seither mit ihr identisch ist (T wird nach Schöpfungsakt zu I). z.B. Lessing, Moses Mendelsohn, Bruno, Einstein, Taoismus, Hinduismus, auch vereinbar mit der «Big Bang»-Theorie der modernen wissenschaftlichen Kosmologie
Atheismus
(griech. a-theos = ohne)
Beschreibt die Ansicht, dass Gott nicht existiere. Die Welt existiert demgegenüber für sich ohne die Notwendigkeit einer göttlichen Kraft (weder I noch T). z.B. Richard Dawkins
Agnostizismus
(griech. a-gnosis = ohne Wissen, Erkenntnis)
Beschreibt die Ansicht, dass weder über die Existenz noch Nichtexistenz Gottes sichere Aussagen gemacht werden können (indifferent bzgl. I und T). z.B. Vorsokratiker, Huxley, Kant, Russell
Ignostizismus
Beschreibt die Ansicht, dass die Frage nach der Existenz oder Nichtexistenz Gottes bedeutungslos sei, solange keine kohärente Definition des Begriffs „Gott“ existiert.

Wird i.d.R. als eine Variante des Agnostizismus verstanden.

Nihilismus
(lat. nihil = nichts)
Beschreibt die Ansicht, dass Erkenntnis von etwas unmöglich sei. Diese Ansicht ist entsprechend eng verwandt mit einer agnostischen Haltung.

Der Nihilismus geht freilich über die Religionsphilosophie hinaus und besagt etwa auch, dass verbindliche Aussagen über den ethischen Gehalt einer Handlung oder eines Ergebnisses nicht möglich seien.

 z.B. Nietzsche

Diese Liste wird laufend erweitert und bei Bedarf korrigiert.